Auszug aus der restauratorischen Untersuchung

Auszug aus der restauratorischen Untersuchung der Vipperower Dorfkirche, © Herrn Detlef Krohn, Dipl.-Restaurator

Bewertung des Bestandes

Der mit dieser Untersuchung erfasste historische Bestand an den Wandflächen im Kirchenraum weist aus denkmalpflegerischer Sicht drei sehr wertvolle Befundschwerpunkte auf.

Hervorzuheben ist das Vorhandensein von vier umfangreicheren qualitätvollen Ausmalungsphasen vor dem 19. Jahrhundert im Kirchenraum. Eine derartige Vielzahl von Malereiphasen stellt für eine Dorfkirche die Ausnahme und eine äußerst wertvolle Befundsituation dar.

Eine weitere Besonderheit ist in der Weltgerichtsdarstellung zu sehen. Die besondere Wertigkeit liegt in der qualitätvollen und feinen Ausführung der Malerei. Solche aufwändige und qualitätvolle Ausführung stellt ihrerseits eine Seltenheit in einer Dorfkirche dar.

Der dritte hervorzuhebende Befundkomplex besteht in besonderen Ausstattungsmerkmalen der Erbauungszeit, wie dem gemalten Wandschrank und den Spuren von Lichtquellen vor den Weihekreuzen.

Auch der vermutete johannitische Einfluss für die Ausbildung der Öffnung in der Ostwand als Hagioskop* ist so vorerst für keine weitere Dorfkirche der Region bekannt, und stellt damit einen in baugeschichtlicher Hinsicht sehr wertvollen Befund dar.

*(Hagioskop: im Mittelalter Sichtöffnung für Ausgestoßene)

Zielstellung

Aus dieser hohen Wertigkeit der ursprünglichen Substanz ergibt sich aus denkmalpflegerischer Sicht die Aufgabe ihrer möglichst umfänglichen Bewahrung. Bei den anstehenden Arbeiten sollte die historische Substanz die Orientierung für die Materialwahl, für die handwerkliche Ausbildung der Oberflächen und für die Farbfassung bilden.

Aufgrund der stärkeren Substanzschäden und der damit gegebenen Gefahr von Substanzverlusten sind konservierende Maßnahmen notwendig. Dies betrifft vor allem die Malereibefunde mit abkreidendem Pigment bzw. Schichtentrennungen und die Putzlösungen am Bereich der Weltgerichtsdarstellung.

Die hohe Wertigkeit der historischen Malereifunde lässt deren Integration in die künftige Gestaltung des Kirchenraumes aus denkmalpflegerischer Sicht als sehr wünschenswert erscheinen. Das heißt: Die bereits freigelegten Befunde sollten restauratorisch konserviert werden. Da die Lesbarkeit der Malerei durch die Verluste vielfach sehr erschwert wird, ist die behutsame Integration der Fehlstellen in den Malereizusammenhang geraten (farbige Ergänzungen). Dies betrifft vorerst die Weltgerichtsdarstellung an der Nordwand und die Malerei des 18. Jahrhunderts an der Südwand.

Für die Ostwand ist aus restauratorischer Sicht eine weitere Freilegung der Befunde der ersten und zweiten Fassung möglich und in Bezug auf ihre Wertigkeit zu unterstützen.

In dem Zusammenhang der Bearbeitung der Ostwand erscheint auch eine Wiederöffnung der beiden ursprünglichen Wandnischen sehr wünschenswert.

Ausführung

Die Abfolge der Bearbeitung der einzelnen Wandflächen ist aufgrund der Befunde und Schäden nicht zwingend festzulegen.

Vom Gutachter wird der Beginn der Arbeiten an der Ostwand empfohlen, da erst durch die Freilegung der Malerei und die Öffnung der Nischen der künftig sichtbare Bestand wieder zum Vorschein kommt. Da die Malereibefunde an den Wandflächen insgesamt in einem historischen und gestalterischen Zusammenhang stehen und nicht isoliert zu betrachten und zu bewerten sind, können Detailentscheidungen auch für Flächen und Befunde außerhalb der Ostwand fundiert erst nach den Freilegungen an der Ostwand getroffen werden.

Wo ist es auch vom Freilegungsresultat an der Ostwand abhängig, wieweit noch weitere Weihekreuze an den Längswänden freigelegt und sichtbar belassen werden sollen oder nicht.

Wenn einzelne Materialbereiche wie beispielweise die Flächen der Ostwand oder die Weltgerichtsdarstellung bearbeitet werden, sollte der direkt darüber befindliche Ornamentfries aus dem 19. Jahrh. gleich mit bearbeitet werden, um einen zusätzlichen Aufwand für das Arbeitsgerüst und für den Schutz bereits restaurierter Flächen zu vermeiden.

Abhängig von der Finanzierung der Restaurierungs- und Renovierungs-maßnahmen ist die Realisierung auch in einzelnen kleineren Teilschritten möglich.

Im Verlauf der Bearbeitung lässt sich der anzustrebende Endzustand Schritt für Schritt konkretisieren.